Private Equity für Privatanlager – am Beispiel Trade Republic
Mit Trade Republic "Private Markets" erhalten erstmals auch Privatanleger Zugang zu einer Anlageklasse, die bislang ausschließlich institutionellen Investoren vorbehalten war. Das neue Angebot Private Equity ermöglicht Investitionen in nicht-börsennotierte Unternehmen bereits ab 1 Euro – über Fonds der Investmentgesellschaften Apollo und EQT.

Mit dem neuen Angebot „Private Markets“ öffnet Trade Republic die Tür zu einer Anlageklasse, die bisher fast ausschließlich institutionellen Investoren vorbehalten war: Private Equity für Privatanleger. Während klassische Private-Equity-Fonds lange Zeit sechsstellige Mindesteinlagen erforderten, können Nutzer bei Trade Republic bereits ab 1 Euro in nicht-börsennotierte Unternehmen investieren – über Fonds von Apollo und EQT. Damit wird Private Equity durch die Tokenisierung und Stückelung von Fondsanteilen für die breite Masse zugänglich.
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Was macht das neue Angebot von Trade Republic so einzigartig?
In den letzten Jahren gibt es immer mehr die Möglichkeit in einer Kategorie zu investieren, die bisher den Wohlhabenden vorbehalten war: Private Equity (PE). Vor wenigen Jahren konnte man hier nur mit sechsstelligen Tickets investieren. In den letzten Jahren waren bereits nur noch fünfstellige Summen notwendig. Trade Republic treibt diesen Trend jetzt auf die Spitze und demokratisiert die Investments in PE unter dem Namen „Private Markets“. Hier kann man bereits mit einem Euro in nicht börsennotierte Unternehmen über die Fonds von Apollo und EQT investieren.
Screenshot aus der Trade Republic App
Ist das Angebot von Trade Republic Private Equity?
Damit ist das Angebot von Trade Republic natürlich streng genommen kein reines Private Equity Investment mehr. Private Equity beschreibt den Vorgang von Investments in nicht-börsengehandelte Unternehmen. Das ist weiterhin gegeben, allerdings sind diese Fonds öffentlich handelbar. Daher ist das Angebot hier eher eine Mischung aus Public Equity und Private Equity, daher wohl auch der Name „Private Markets“.
Ist ein Investment in Private Equity sinnvoll?
Rein aus Diversifikationsgründen ist das Angebot natürlich sehr spannend. Man kann auf diese Weise das Risiko weiter streuen und profitiert auch von der Entwicklung nicht börsennotierter Unternehmen. Der große Unterschied von Private-Equity Fonds zu klassischen aktiven Fonds ist vor allem deren Herangehensweise. Anders als der Name von aktiven Fonds suggeriert, nehmen diese nur sehr bedingt Einfluss auf die Unternehmensstrategie, sondern beteiligen sich hier in der Regel eher passiv. Aktiv beschreibt hier eher die Auswahl der Aktien, welche sich in den Fonds dann am Ende befinden. Wissenschaftlich ist dieser Vorgang übrigens höchst umstritten, nach Kosten performen die aller meisten aktiven Fonds wesentlich schlechter und das bei einem vergleichbaren Risikoprofil wie passive Fonds (ETFs). Bei Private Equity dagegen übernehmen die Fonds oft Mehrheitsbeteiligungen und nehmen aktiv Einfluss auf die Unternehmensstrategie. Hier werden also die zwei Professionen „aktives Investment“ und „aktives Consulting“ zusammengeführt, weshalb Private Equity auch als „Königsdisziplin“ der Finanzwirtschaft gilt. Zum einen muss man passende Firmen aussuchen, zum anderen müssen diese wirtschaftlich entwickelt werden.
Nicht selten wird für die Übernahme der Firmen Fremdkapital aufgenommen. Das Ganze nennt sich dann Leveraged Buy-Out (LBO). Was uns eben auch zur von Trade Republic beschriebenen Zielrendite von 12 % bringt. Diese wird eben vor allem auch durch einen Fremdkapitalhebel erreicht. Ähnlich wie auch Leveraged-ETFs höhere Renditen im Durchschnitt aufweisen, können Private-Equity Fonds durch diesen Leverage-Effekt historisch ebenfalls besser performen. Bereinigt um den Leverage-Effekt, performen viele Private-Equity Fonds eben nicht wirklich besser als klassische ETFs. Mit Leverage-Effekt und liegt die Outperformance allerdings bei etwa durchschnittlich 3 % pro Jahr. Daher ist die Zielrendite von 12 % generell kein utopisches Versprechen. Man sollte allerdings auch noch den Cash-Drag Effekt berücksichtigen, der 1 – 2 % der jährlichen Outperformance erklärt. Bei Private Equity werden die Renditen nur auf das investierte Geld gerechnet. Oftmals ist aber eben nicht direkt 100 % investiert, zumindest bei traditionellem Private Equity, sondern es werden von beispielsweise 100.000 Euro erstmal nur 10.000 Euro investiert, dann erneut 10.000 Euro usw.. Das führt dann dazu, dass die Anleger etwas geringere Renditen als der Private Equity Fonds erzielen, weil sie in der Phase in der das Geld noch nicht investiert wurde, höchstens die Zinsen aus Geldmarktfonds oder eben vom Tagesgeldkonto bekommen. Ob Trade Republic diesen Cash-Drag Effekt bei ihrer Zielrendite bereits abgezogen hat, bleibt offen.
Mit welchen Kosten ist es verbunden in „Private Markets“ zu investieren?
Bei Trade Republic können Gebühren von weit mehr als 4 % anfallen. Diese setzen sich aus den laufenden Fondsgebühren von mehr als 2 %, sowie den möglichen Erfolgszahlungen (zumindest bei Apollo) von bis 12,5 % zusammen. Die Demokratisierung von Private-Equity ist also kein rein philanthropischer Akt der Fonds Apollo und EQT, auch finanziell dürfte sich das Ganze für sie rechnen. Trade Republic baut hier quasi einen eignen Markt. Durch die hohe Anzahl an Nutzern, können sie die sechsstelligen Tickets in Euro Beträge stückeln. So wie das Trade Republic bereits bei Aktien gemacht hat, wo man ebenfalls Bruchstücke kaufen und verkaufen konnte. Durch die große Anzahl an Nutzern von Trade Republic gehen wir davon aus, dass Käufe und Verkäufe an sich in einem liquiden Umfeld stattfinden dürften und man entsprechend nicht auf seinen Anteilen sitzen bleiben sollte. Allerdings wird der Wert der Beteiligungen nur einmal pro Monat berechnet, entsprechend wird man auch nicht innerhalb von Sekunden verkaufen können, wie das bei ETFs der Fall ist. Sondern hat eben einmal pro Monat zur Preisfeststellung die Option zu verkaufen. Die beiden ELTIFs bei Trade Republic haben laufende Kosten von 2,8 bzw. 2,35 % und zusätzlich eben eine Erfolgsgebühr für das Management von bis zu 12,5 % bei Apollo. Diese Erfolgsbeteiligung fällt allerdings nur bei einer Performance höher als vier Prozent pro Jahr an. Bei EQT fällt noch eine zusätzliche Gebühr von 5 % auf die Anlage an, sollte man das Geld bereits nach weniger als 18 Monaten wieder abziehen. Zumindest laut Fondsprospekt, durch die Tokenisierung bei Trade Republic sind wir uns bei diesem Punkt nicht zu 100 % sicher (Bei Erfahrungswerten gerne in die Kommentare schreiben).
Screenshot der Kosten von Apollo (ISIN: LU3170240538) bei einem Investment von 10 Euro
Screenshot der EQT (ISIN: LU3176111881) Kosten bei einem Investment von 100 Euro
Was sind ELTIFs und was haben sie mit Private Equity zu tun?
Ermöglicht wurde das Angebot von Trade Republic erst durch die sogenannten European Long-Term Investment Funds (ELTIFs). Die EU möchte mit diesen 2015 eingeführten Investmentvehikeln und 2024 weiter gesenkten Einstiegshürden vor allem Investments in die breite Realwirtschaft fördern. Mit diesen Fonds sollen Privatanleger an illiquiden Anlageklassen wie Private Equity, Private Debt, Immobilien oder auch Infrastruktur beteiligt werden. ELTIFs unterliegen wie auch ETFs in der EU einigen Mechanismen zum Schutz von Kleinanlegern. So muss zum Beispiel der Sitz in einem EU-Land sein und mit Bewilligung der jeweiligen Finanzaufsicht gearbeitet werden. Zudem erfolgt durch den Wertpapierstatus mindestens vierteljährlich eine Bewertung zum Nettoinventarwert, was mehr Transparenz bezüglich der Wertentwicklung bringt. Im Fall von Trade Republic wohl sogar monatlich. Des Weiteren dürfen ELTIFs Investments mit maximal 50 % Fremdkapital hebeln. Wie ETFs sind auch ELTIFs Sondervermögen und entsprechend geschützt, sollte der Fondsanbieter insolvent gehen. Im Fall von Trade Republic sind es besonders große und entsprechend stark diversifizierte ELTIFs, was das Anlegerrisiko verringert und die Wahrscheinlichkeit erhöht die versprochene Zielrendite langfristig zu erreichen. Allerdings sollte man berücksichtigen, dass immer mehr ELTFIs aufgesetzt werden, in die „erfolgreiche“ Investments von bestehenden Private Equity Funds übertragen werden, anstatt die beispielsweise weiter zu verkaufen oder an die Börse zu bringen. So kann man den bilanzierten Wert hoch halten und muss das Investment in einer schlechten Marktphase nicht abschreiben. Diese Form von Transaktionen stellen natürlich ein gewisses Anlagerisiko dar. Gerade am Beispiel von Trade Republic kann man das ganz gut am Unternehmen Anticimex erkennen. Hier wurde ein Unternehmen nach 9 Jahren Haltedauer im alten EQT VI Fund zu einem Wert von etwa 6 Milliarden Euro in den neuen ELTIF Fund von EQT gekauft und ist hier die größte Position. Hier hat also der alte EQT VI Fund eine tolle Rendite erzielt. Muss der neue Fonds jetzt allerdings 50 % des Kaufpreises abschreiben, wären direkt etwa knapp 3 % des Gesamtinvestments in den EQT Private Equity Fonds verloren. Auch bei anderen Positionen des EQT Fonds wie beispielsweise Flixbus gibt es dieses Risiko. Sollte hier beispielsweise der IPO weit schlechter laufen als erwartet und die bisherige Bewertung nicht gehalten werden, ginge das zu Lasten der Anleger. Es bleibt also so ein bisschen die Frage im Raum, ob diese neuen ELTIFs für Privatanleger eher eine neue, risikoärmere Form des Exits für die Private Equity Fonds darstellen. Die Renditen also bereits im Vorfeld erzielt werden und die Privatanleger wenig von den Frühphasen-Investments haben.
Gibt es Alternativen zum Angebot „Private Markets“ von Trade Republic?
Ja, Scalable* bietet auch Investments in ELTIFs an, allerdings mit einem Mindestinvestment von 10.000 Euro. Bei Trade Republic kann man mit Sparplänen ab einem Euro komplett ohne Provisionen oder Ordergebühren investieren und erhält zusätzlich aktuell noch 1 % der investierten Summe als Zuschuss. Man kann auch regulär investieren mit Orderkosten von lediglich einem Euro.
Wie stehen wir zum neuen „Private Markets“ Angebot von Trade Republic?
Aus unserer Sicht ist es ein weiterer Schritt zur Demokratisierung der Geldanlage und daher sehr zu begrüßen. Zudem ist es auch aus volkswirtschaftlicher Sicht insbesondere für Deutschland sehr spannend, wo es viele nicht-börsennotierte Firmen mit Kapitalbedarf gibt, der bisher oft durch klassische Bankkredite gedeckt wurde. Durch die hohen Fondskosten, die in diesem Fall eher gerechtfertigt sind als bei „aktiven“ Fonds bleiben wir skeptisch was die tatsächlichen Renditechancen angeht. Gerade der Fremdkapitaleinsatz von bis zu 50 % erhöht das Risiko und ist mitverantwortlich für die höhere Rendite, in Kombination mit dem Cash-Drag Effekt. Gleichzeitig ist die Verfügbarkeit stark eingeschränkt im Vergleich zu klassischen Aktieninvestments. Da der Anlagezeitraum aber in der Regel mindestens 10 Jahre sein sollte, ist das aus unserer Sicht eher weniger wichtig. Auch steht der Vorwurf im Raum, das Private Equity Fonds den Zugang für Privatanleger nur erleichtern, um sich den Exit einfacher zu machen. Auch das könnte die Rendite im Zweifel schmälern. Inwieweit man sogar Trade Republic ein Interessenkonflikt vorwerfen könnte, die vielleicht auch einen Exit ihres mit Private Equity finanzierten Start-Ups anstreben, bleibt jedem selbst überlassen. Als ergänzende Geldanlage von maximal etwa 10 % des Gesamtportfoliowertes, wie von der EU ursprünglich konzipiert, halten wir es aber aus Diversifikationsgründen für spannend, die Zielrendite von 12 % halten wir allerdings für ambitioniert, damit sollte man nicht unbedingt rechnen.
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