Mit der ETF-Nettopolizze das ETF-Depot schlagen – geht das in Österreich?

Wenn du in ETFs investierst oder es planst, machst du schon vieles richtig. Langfristig kannst du so echtes Vermögen aufbauen – und das mit vergleichsweise wenig Aufwand. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt aber: die Steuern. Vielleicht wurdest du schon einmal auf das Thema „steuerlich optimiertes Investieren" angesprochen. Ob es dabei wirklich Möglichkeiten gibt, auf was du achten solltest und wann sich der Aufwand lohnt, klären wir in diesem Blogartikel.

Wichtig vorab: Wir fokussieren uns in diesem Beitrag auf Österreich. Auch in Deutschland gibt es interessante Möglichkeiten neben dem klassischen ETF-Depot – mehr dazu findest du in diesem Beitrag und diesem Beitrag.

Das ETF-Depot beim Broker – die klassische Variante

Die einfachste Variante, um fürs Alter vorzusorgen, ist das ETF-Depot bei einem Online-Broker. Kostengünstig umsetzen kannst du das zum Beispiel mit Trade Republic – keine Depotgebühren, keine Sparplankosten, lediglich 1 € Ordergebühr beim manuellen Kauf.

Was bleibt, sind die Steuern. In Österreich gilt:

  • Dividenden und ausschüttungsgleiche Erträge werden jährlich mit 27,5% KESt besteuert – auch wenn du nichts entnimmst
  • Kursgewinne beim Verkauf unterliegen ebenfalls 27,5% KESt
  • Bei thesaurierenden ETFs zahlst du jährlich Steuer auf ausschüttungsgleiche Erträge, obwohl kein Cent ausgezahlt wird – Kapital fließt ab, ohne dass du verkaufst. Bei thesaurierenden ETFs in Österreich werden von den steuerlich relevanten Erträgen jedes Jahr 60% sofort mit 27,5% KESt besteuert, und die restlichen 40% werden beim Verkauf des ETFs besteuert.
  • Trade Republic ist seit April 2025 steuereinfach in Österreich und führt die Steuer automatisch ab

Das ETF-Depot ist transparent, flexibel und günstig. Der strukturelle Nachteil: Die jährliche Steuer auf ausschüttungsgleiche Erträge bremst den Zinseszinseffekt über die Zeit spürbar ab.

Die Alternative: Die ETF-Nettopolizze

Neben dem Depot gibt es die Fondspolizze – eine fondsgebundene Lebensversicherung. Entscheidend ist dabei der Unterschied zwischen zwei Varianten.

Die klassische Fondspolizze wird über Berater oder Banken verkauft, die Provisionen verdienen – eingepreist in laufende Kosten von 0,8% bis 2,5% pro Jahr. Das klingt wenig, kostet dich über Jahrzehnte aber zehntausende Euro.

Die Nettopolizze ist dasselbe Produkt – ohne Provisionslast. Stattdessen zahlst du eine transparente Servicepauschale. Über lange Laufzeiten ist der Unterschied im Nettoergebnis erheblich.

Wie wird die Polizze besteuert?
 

ETF-Depot

ETF-Nettopolizze

Steuer auf Einzahlung

Keine

4% Versicherungssteuer

Steuer auf Gewinne

27,5% KESt – jährlich

Keine KESt – Erträge wachsen brutto weiter

Steuer bei Auszahlung

27,5% KESt auf Gewinne

Steuerfrei bei Einhaltung der Mindestlaufzeit

Rebalancing

Jeder ETF-Tausch löst 27,5% KESt aus

Steuerfrei innerhalb der Polizze

Für die steuerfreie Auszahlung gilt: Beim Sparplan genügen 3 Jahre Prämienkonstanz, beim Einmalerlag sind es 15 Jahre (bzw. 10 Jahre ab 50). Die Faustregel: Je länger die Laufzeit und höher die Renditeerwartung, desto steuereffizienter ist die Nettopolizze.

Die Vorteile
  • Steuervorteil: Keine KESt auf Gewinne, Dividenden oder ausschüttungsgleiche Erträge
  • Steuerfreies Rebalancing: ETFs jederzeit wechseln, ohne Steuerereignis
  • Voller Zinseszinseffekt: Ausschüttungen automatisch reinvestiert, kein jährlicher Steuerabfluss
  • Flexibilität: Teilentnahmen, Prämienpausen und Zuzahlungen jederzeit möglich
  • Insolvenzschutz: Kapital gilt als Sondermasse – gehört dir, nicht den Gläubigern
  • Vertragssicherheit: Konditionen über die gesamte Laufzeit fixiert
Die Nachteile:
  • Honorar: Einmalige Setup-Fee – in der Regel 299 € bis 900 €, mehr würden wir nicht zahlen. 
  • Versicherungssteuer: 4% auf jede Einzahlung – von 100 € fließen effektiv nur 96,15 € in deine ETFs. Bei vorzeitigem Ausstieg vor der Mindestlaufzeit steigt die Gesamtsteuer auf 11%.
  • Mindestlaufzeiten: Sparplan 3 Jahre, Einmalerlag 15 Jahre (10 Jahre ab 50) – wer früher raus will, verliert den Steuervorteil.
  • Mantelkosten: Ca. 0,1% bis 0,9% p.a. – ein reines Depot ist günstiger. Die Nettopolizze lohnt sich nur, wenn der Steuervorteil diese Kosten überkompensiert. Das gelingt mit Aktien-ETFs, nicht aber bei risikoarmen Anlagen. Auch spielt der Anlagezeitraum eine wesentliche Rolle, wer nur wenige Jahre anlegt, fährt mit dem Depot in der Regel besser.
Der direkte Vergleich: Kann die Nettopolizze das ETF-Depot schlagen?

Gemeinsame Annahmen: 200 € monatliche Sparrate, 8% Bruttorendite p.a., 40 Jahre Laufzeit, keine Ausschüttungen, kein Rebalancing (beides wären weitere Vorteile der Polizze).

ETF-Depot (Trade Republic): Keine Gebühren, TER 0,12% → Nettoperformance 7,88%, keine Berücksichtigung von ausschüttungsgleichen Erträgen, Startkapital: 299 € (das Honorar der Polizze wird hier investiert). Am Ende: 27,5% KESt auf den Gewinn.

ETF-Nettopolizze: Kein Startkapital, 4% Versicherungssteuer → effektiv 192,31 € investiert pro 200 € Sparrate. Gesamtkosten des Mantels: 0,51% p.a. → Nettoperformance 7,49%. Auszahlung: vollständig steuerfrei.

Das Ergebnis nach 40 Jahren

 

ETF-Depot

ETF-Nettopolizze

Netto-Endwert

483.303 €

558.722 €

Vorteil Nettopolizze

 

+75.419 €

Die Nettopolizze schlägt das Depot trotz höherer laufender Kosten und trotz der 4% Versicherungssteuer – weil der Zinseszinseffekt über 40 Jahre auf dem unversteuerten Kapital deutlich stärker wirkt. Der reale Vorteil dürfte aufgrund der Besteuerung von ausschütungsgleichen Erträgen im ETF-Depot sogar noch etwas größer sein. Allerdings ist der Vorteil nur so groß, wenn wirklich der komplette Anlagezeitraum berücksichtigt wird. Wir haben diesen Vergleich mit diesem Rechner gerechnet, da hier alle Kosten berücksichtigt werden und du direkt ein transparentes Ergebnis erhältst. Mit dem Rechner kannst du auch verschiedene Beispielszenarien für deine persönliche Situation rechnen.

Fazit: Für die Altersvorsorge überlegen

Die Rechnung zeigt: Es ist definitiv möglich, mit einer ETF-Nettopolizze das klassische ETF-Depot zu schlagen – selbst im Vergleich mit einem kostengünstigen Neo-Broker wie Trade Republic. Über 40 Jahre macht der fehlende KESt-Abzug den entscheidenden Unterschied, und weitere Vorteile wie das steuerfreie Umschichten kommen noch obendrauf. Zudem haben wir die Besteuerung von Dividenden im ETF-Depot, egal ob ausschüttend oder thesaurierend nicht betrachtet. Der Vorteil der Polizze dürfte tatsächlich also noch größer sein.

Mit einer Polizze verlierst du dennoch etwas an Flexibilität. Für uns ist es daher kein Entweder-oder: Das ETF-Depot bleibt spannend für Anlagehorizonte zwischen 10-20 Jahren – einfach, günstig, jederzeit verfügbar. Wer aber langfristig fürs Alter (Anlagehorizont > 30 Jahre) vorsorgen möchte und in Österreich lebt, sollte ernsthaft überlegen, ob eine Nettopolizze nicht eine spannende Option sein könnte.

Wichtig dabei: Finger weg von Beratern, die auf Provisionsbasis arbeiten. Wir empfehlen die Plattform nettopolizze, wo du für deine Sparrate und deinen Anlagehorizont den günstigsten Anbieter transparent filtern und vergleichen kannst. Das Honorar ist hier mit 299 € ggü. anden Anbietern auch besonders günstig.

Wenn du Unterstützung bei der Einrichtung einer Polizze wünscht, kannst du gerne einen Termin über unseren Kalender buchen oder eine E-Mail an info@fiducation.de senden.

Disclaimer: Keine Steuerberatung und keine Anlageberatung. Der Beitrag dient lediglich der Information und Aufklärung.

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