Ist es sinnvoll Geld in Bitcoin zu investieren

Seit dem Jahr 2009 gibt es den Bitcoin und damit die neue Anlageklasse Kryptos. In diesem Blogbeitrag beleuchten wir das Phänomen genauer. Unter anderem ob man investieren sollte und wenn ja, wie. Außerdem schauen wir uns an, wie die weitere Entwicklung aussehen könnte.

Bitcoin, Ethereum, Blockchain – Begriffe wie diese sind längst nicht mehr nur Insidern aus der Finanzwelt bekannt. Kryptowährungen haben in den vergangenen Jahren die Art und Weise, wie wir über Geld, Investitionen und digitale Technologien denken, verändert. Während manche in ihnen die Zukunft des globalen Finanzsystems sehen, betrachten andere sie als riskante Spekulationsobjekte. Doch was steckt wirklich hinter dem Hype? In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die faszinierende Welt der Kryptowährungen, erklären ihre Funktionsweise und zeigen, welche Chancen und Herausforderungen sie für Anleger und die Gesellschaft mit sich bringen.

Unterschiede zwischen Fiatgeld und Kryptowährungen

Fiatgeld und Kryptowährungen verfolgen unterschiedliche Ansätze, wie Geld geschaffen, verwaltet und im Wirtschaftssystem eingesetzt wird. Besonders deutlich werden die Unterschiede bei der Rolle von Zentralbanken sowie bei den Auswirkungen auf Inflation und Geldwert.

Was ist Fiatgeld?

Fiatgeld ist staatlich ausgegebenes Geld ohne direkten Gegenwert in Gold oder anderen Rohstoffen. Beispiele sind der Euro, der US-Dollar oder der Schweizer Franken. Der Wert basiert auf dem Vertrauen der Bevölkerung in den Staat und die Institutionen, die es verwalten.

Die Geldmenge wird von Zentralbanken wie der Europäische Zentralbank oder der Federal Reserve System gesteuert. Diese können neues Geld schaffen, Zinsen anpassen oder durch verschiedene Maßnahmen Einfluss auf die Wirtschaft nehmen.

Was sind Kryptowährungen?

Kryptowährungen wie Bitcoin basieren auf einer Blockchain und werden nicht von einer zentralen Institution kontrolliert. Stattdessen wird das Netzwerk von vielen unabhängigen Teilnehmern betrieben.

Bei vielen Kryptowährungen sind die Regeln zur Geldschöpfung bereits im Protokoll festgelegt. Niemand kann die Geldmenge nach Belieben erhöhen oder die Geldpolitik kurzfristig ändern.

Tabellarischer Vergleich von Krypto und Fiat-Geld

Der zentrale Unterschied zwischen Fiatgeld und Kryptowährungen liegt in der Kontrolle der Geldmenge. Fiatgeld basiert auf einer aktiven Geldpolitik durch Zentralbanken, die wirtschaftliche Stabilität und ein moderates Inflationsniveau anstreben. Kryptowährungen wie Bitcoin setzen dagegen auf feste, transparente Regeln und eine begrenzte Geldmenge, also ein deflationäres Geldsystem.

Von der Unabhängigkeit vom System zum Teil des Systems – Die Geschichte der Kryptowährungen

So entstanden die Krypotwährungen

Die Grafik zeichnet die Entwicklung der Kryptowährungen als bemerkenswerte Reise nach: von einer rebellischen Gegenbewegung zum etablierten Finanzsystem hin zu einer Anlageklasse, die heute zunehmend von genau den Institutionen getragen wird, gegen die sie ursprünglich angetreten ist.

Die Finanzkrise als Geburtsstunde von Bitcoin

Den Ausgangspunkt bildet die globale Finanzkrise von 2008. Mit der Insolvenz von Lehman Brothers erreichte die Krise ihren Höhepunkt und erschütterte das Vertrauen vieler Menschen in Banken, Regierungen und Zentralbanken. Millionen von Bürgern mussten erleben, wie private Finanzinstitute enorme Risiken eingingen, anschließend jedoch durch staatliche Rettungsmaßnahmen gestützt wurden.

Vor diesem Hintergrund veröffentlichte der bis heute unbekannte Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto Anfang 2009 den sogenannten Genesis Block, den ersten Block der Bitcoin-Blockchain. Darin versteckte er eine Botschaft aus einer britischen Zeitung:

„The Times 03/Jan/2009 Chancellor on brink of second bailout for banks.“

Diese Nachricht war weit mehr als ein Zeitstempel. Sie kann als politisches Statement verstanden werden: Bitcoin entstand als Alternative zu einem Finanzsystem, in dem Zentralbanken Geld schaffen, Banken retten und die Geldmenge nach Bedarf ausweiten können.

Die Grundidee war revolutionär: Statt einer zentralen Institution sollte ein dezentrales Netzwerk die Kontrolle übernehmen. Niemand sollte Geld drucken können, niemand Transaktionen zensieren und niemand das System einseitig verändern können. Bitcoin war damit nicht nur eine technische Innovation, sondern auch eine Reaktion auf einen tiefen Vertrauensverlust gegenüber dem bestehenden Finanzsystem.

Von der Idee zur ersten Nutzung

Im Mai 2010 erfolgte der erste bekannte reale Einsatz von Bitcoin. Ein Entwickler bezahlte 10.000 Bitcoin für zwei Pizzen. Aus heutiger Sicht erscheint dieser Betrag astronomisch, doch damals war dies der Beweis, dass Bitcoin tatsächlich als Zahlungsmittel verwendet werden konnte.

Die Kryptowährung entwickelte sich damit von einem theoretischen Experiment zu einem digitalen Geldsystem.

Die Entstehung eines ganzen Ökosystems

Zwischen 2011 und 2013 entstanden zahlreiche weitere Kryptowährungen wie Litecoin, Ripple oder Dogecoin. Die Branche begann zu wachsen und entwickelte sich über Bitcoin hinaus.

Ein weiterer Meilenstein folgte 2015 mit Ethereum. Unter der Führung von Vitalik Buterin entstand eine Plattform, die weit mehr als digitale Zahlungen ermöglichte. Mit Smart Contracts konnten erstmals Programme direkt auf einer Blockchain ausgeführt werden. Dadurch wurden völlig neue Anwendungen möglich, von dezentralen Finanzdienstleistungen bis hin zu digitalen Eigentumsrechten.

So funktioniert die Blockchain

Die Spekulationsphasen

Mit wachsender Aufmerksamkeit begann jedoch auch eine Phase starker Spekulation.

2017 löste der sogenannte ICO-Boom einen ersten großen Krypto-Hype aus. Unternehmen sammelten Milliardenbeträge über neue Token-Verkäufe ein. Viele Projekte waren innovativ, andere erwiesen sich später als unausgereift oder sogar betrügerisch.

2021 folgte die nächste Euphoriewelle rund um NFTs und die Vision eines dezentralen Web3. Kryptowährungen wurden zunehmend zum Spekulationsobjekt, und die Kurse erreichten neue Höchststände.

Die staatliche Anerkennung

Ebenfalls 2021 wurde Bitcoin erstmals von einem Staat offiziell anerkannt. El Salvador erklärte Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel.

Für viele Anhänger war dies ein historischer Erfolg: Ein Projekt, das als Alternative zum Staat begonnen hatte, wurde nun von einem Staat offiziell übernommen. Gleichzeitig war es aber auch ein Widerspruch. 

Die Ironie der Geschichte: Die Institutionalisierung

Der vielleicht bemerkenswerteste Punkt der Grafik findet sich am Ende der Zeitachse. Im Januar 2024 wurden in den USA die ersten Spot-Bitcoin-ETFs zugelassen. Große Vermögensverwalter wie BlackRock oder Fidelity Investments brachten Bitcoin-Produkte auf den Markt und ermöglichten institutionellen Anlegern einen einfachen Zugang zur Kryptowährung.

Genau hierin liegt die Ironie der Geschichte.

Bitcoin wurde als Reaktion auf die Finanzkrise geschaffen, weil viele Menschen das bestehende Finanzsystem als zu zentralisiert, zu mächtig und zu eng mit Staat und Großbanken verflochten empfanden. Die Idee war, ein unabhängiges Geldsystem außerhalb der Kontrolle großer Finanzinstitutionen zu schaffen.

Doch ausgerechnet die jüngste große Kursrallye wurde maßgeblich durch jene Akteure ausgelöst, die ursprünglich als Teil des Problems galten: Großbanken, Vermögensverwalter und institutionelle Investoren.

Während frühe Bitcoin-Anhänger von einer Welt träumten, in der Menschen ihre Vermögenswerte selbst verwalten und Banken überflüssig werden, kaufen heute viele Anleger Bitcoin über klassische Broker, halten ihn in ETFs und lassen ihn von Finanzkonzernen verwahren.

Bitcoin selbst bleibt zwar technisch dezentral. Die Blockchain wird weiterhin nicht von BlackRock, Banken oder Zentralbanken kontrolliert. Doch die Art und Weise, wie viele Menschen heute Zugang zu Bitcoin erhalten, ähnelt zunehmend den traditionellen Finanzmärkten. An dieser Stelle stellt sich natürlich die Frage nach dem Mehrwert.

Sind Kryptowährungen tatsächlich Währungen?

Die meisten Kryptowährungen sind keine Währungen, sondern spekulative Vermögenswerte. Der Begriff „Kryptowährung“ ist deshalb eigentlich irreführend.

Wir haben folgenden Abschnitt auch als Video auf YouTube veröffentlicht:

Was macht eine Währung überhaupt aus?

In der Volkswirtschaftslehre erfüllt Geld drei wesentliche Funktionen:

  1. Tauschmittel – man kann damit Waren und Dienstleistungen bezahlen.
  2. Recheneinheit – Preise werden in dieser Einheit angegeben.
  3. Wertaufbewahrungsmittel – Kaufkraft bleibt über einen angemessenen Zeitraum erhalten.

Euro, Dollar oder Schweizer Franken erfüllen diese Funktionen trotz Inflation vergleichsweise gut. Die Schwankungen ihres Wertes sind im Alltag gering genug, damit Unternehmen Preise kalkulieren, Arbeitnehmer Gehälter beziehen und Verbraucher planen können.

Warum Bitcoin und Co. keine echten Währungen sind

Das größte Problem vieler Kryptowährungen ist ihre enorme Volatilität.

Wenn der Kurs einer Währung innerhalb weniger Monate um 30, 50 oder sogar 80 Prozent schwanken kann, eignet sie sich nur eingeschränkt als Zahlungsmittel oder Recheneinheit. Niemand möchte sein Gehalt in einer Währung erhalten, deren Kaufkraft sich innerhalb weniger Wochen halbieren könnte. Ebenso möchte kein Händler täglich sämtliche Preise neu kalkulieren müssen.

Deshalb werden Bitcoin, Ethereum und viele andere Kryptowährungen heute überwiegend nicht zum Bezahlen genutzt, sondern als Anlageobjekte gehalten. Die meisten Käufer hoffen auf Kurssteigerungen und nicht darauf, ihre täglichen Einkäufe damit zu bezahlen.

Dadurch entsteht ein Widerspruch:

  • Eine Währung soll ausgegeben werden.
  • Ein Spekulationsobjekt soll gehalten werden.

Je stärker Menschen darauf hoffen, dass Bitcoin künftig deutlich mehr wert sein wird, desto weniger Anreiz haben sie, ihn tatsächlich als Zahlungsmittel zu verwenden.

Das Deflationsproblem

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Bitcoin wurde bewusst als knappes Gut konstruiert.

Die maximale Menge von Bitcoin ist auf 21 Millionen Einheiten begrenzt. Dahinter steht die Idee eines deflationären Geldsystems. Wenn die Nachfrage steigt, soll der Wert langfristig zunehmen.

Aus Anlegersicht klingt das attraktiv. Aus Sicht einer Währung kann dies jedoch problematisch sein.

Wenn Menschen erwarten, dass ihr Geld jedes Jahr wertvoller wird, entsteht ein Anreiz zum Sparen und Horten statt zum Ausgeben. Warum heute konsumieren, wenn die gleiche Menge Bitcoin morgen mehr kaufen kann?

Moderne Volkswirtschaften basieren jedoch darauf, dass Geld zirkuliert. Genau deshalb verfolgen Zentralbanken meist eine moderate Inflation statt einer Deflation.

Warum Stablecoins eine Ausnahme darstellen

Stablecoins lösen dieses Problem weitgehend.

Ein Stablecoin wie USDC oder USDT versucht nicht, im Wert zu steigen. Sein Ziel besteht darin, möglichst exakt einen US-Dollar abzubilden. Für Nutzer spielt daher nicht die Spekulation, sondern die Zahlungsfunktion die zentrale Rolle.

Dadurch erfüllen Stablecoins die klassischen Geldfunktionen deutlich besser:

  • Sie eignen sich als Zahlungsmittel.
  • Sie können als Recheneinheit dienen.
  • Sie besitzen eine relativ stabile Kaufkraft.

Deshalb werden Stablecoins heute tatsächlich für internationale Überweisungen, Handel und Zahlungsabwicklung genutzt.

Die entscheidende Pointe: Stablecoins sind eigentlich Fiatgeld

Hier wird die Diskussion besonders interessant.

Stablecoins werden oft als Erfolg der Kryptowelt dargestellt. Tatsächlich beziehen sie ihre Stabilität aber gerade nicht aus der Blockchain oder einer dezentralen Geldordnung.

Der Wert eines Stablecoins stammt fast immer aus einer bestehenden Fiatwährung:

  • 1 USDC ≈ 1 US-Dollar
  • 1 USDT ≈ 1 US-Dollar
  • EURC ≈ 1 Euro

Die Stabilität entsteht also nicht durch den Coin selbst, sondern durch die Bindung an staatliches Geld. Häufig werden als Reserve sogar US-Staatsanleihen oder Bankguthaben gehalten.

Man könnte deshalb argumentieren:

Stablecoins sind keine Alternative zum Fiatgeld, sondern Fiatgeld in einer neuen technischen Verpackung.

Der Unterschied besteht lediglich darin, dass die Ausgabe nicht von einer Zentralbank erfolgt, sondern von privaten Unternehmen wie Tether oder Circle.

Ökonomisch betrachtet ähneln viele Stablecoins daher eher privaten Geldmarktfonds oder digitalen Bankeinlagen als klassischen Kryptowährungen.

Die Ironie der Entwicklung

Die Kryptowelt entstand ursprünglich aus der Kritik an Zentralbanken, Banken und staatlichem Geldmonopol.

Bitcoin sollte ein unabhängiges Geldsystem schaffen, das ohne zentrale Instanzen funktioniert.

Doch die erfolgreichste praktische Anwendung der Blockchain im Zahlungsverkehr basiert heute ausgerechnet auf dem Dollar. Stablecoins sind letztlich digitale Dollar, die von privaten Unternehmen ausgegeben und häufig mit amerikanischen Staatsanleihen abgesichert werden.

Damit ergibt sich eine bemerkenswerte Ironie:

  • Bitcoin wollte das Fiatgeld ersetzen.
  • Die tatsächlich als Zahlungsmittel genutzten Krypto-Assets sind heute überwiegend Stablecoins.
  • Diese Stablecoins leiten ihren Wert direkt vom Fiatgeld ab.

Man könnte daher zugespitzt formulieren:

Die meisten Kryptowährungen sind keine Währungen, sondern spekulative Vermögenswerte. Die wenigen Krypto-Assets, die tatsächlich wie Geld funktionieren, sind Stablecoins – und diese sind im Kern nichts anderes als privat ausgegebenes digitales Fiatgeld, was zusätzlich ein Emittentenrisiko mit sich bringt.

Eignen sich Kryptowährungen als Spekulationsobjekt?

Für viele Anleger sind Kryptowährungen heute vor allem Spekulationsobjekte. Die ursprüngliche Idee eines dezentralen Zahlungsmittels ist dagegen weitgehend in den Hintergrund getreten. Die zentrale Frage lautet daher nicht mehr, ob Bitcoin und andere Kryptowährungen als Geld funktionieren, sondern ob sie als Anlageobjekt einen nachhaltigen Wert besitzen.

Knappheit allein schafft noch keinen Wert

Befürworter von Bitcoin argumentieren häufig mit der künstlichen Verknappung. Die maximale Menge von 21 Millionen Bitcoin sei vergleichbar mit der begrenzten Verfügbarkeit von Gold und mache Bitcoin langfristig wertvoll.

Aus ökonomischer Sicht ist Knappheit allein jedoch kein ausreichendes Argument für Wert. Entscheidend ist nicht nur das Angebot, sondern auch die Nachfrage.

Ein Vermögenswert wird nicht wertvoll, weil er selten ist, sondern weil Menschen einen Nutzen in ihm sehen. Ein seltenes Objekt ohne wirtschaftliche Verwendung bleibt trotz seiner Knappheit wertlos.

Kritiker argumentieren deshalb, dass Bitcoin zwar künstlich knapp sei, sein tatsächlicher wirtschaftlicher Nutzen jedoch begrenzt bleibt.

Der problematische Nutzen von Bitcoin

Ursprünglich sollte Bitcoin ein alternatives Zahlungssystem sein. Heute wird Bitcoin jedoch nur in sehr begrenztem Umfang für alltägliche Transaktionen genutzt.

Als Zahlungsmittel weist Bitcoin mehrere Nachteile auf:

  • hohe Kursschwankungen,
  • begrenzte Transaktionskapazität,
  • teilweise hohe Gebühren,
  • fehlende Preisstabilität.

Gleichzeitig erzeugt Bitcoin keine laufenden Erträge:

  • keine Dividenden wie Aktien,
  • keine Zinsen wie Anleihen,
  • keine Mieteinnahmen wie Immobilien,
  • keine industrielle Nutzung wie viele Rohstoffe.

Der Wert basiert daher weitgehend auf der Erwartung, dass andere Marktteilnehmer künftig bereit sein werden, einen höheren Preis zu zahlen.

Kritiker vergleichen dies mit dem sogenannten „Greater Fool“-Prinzip: Man kauft nicht wegen eines inneren Wertes, sondern in der Hoffnung, später einen Käufer zu finden, der noch optimistischer ist.

Marktkapitalisierung ist kein Beweis für Wert

Marktkapitalisierung von verschiedenen Kryptowährungen

Häufig wird auf die hohe Marktkapitalisierung von Bitcoin verwiesen. Tatsächlich erreicht Bitcoin mittlerweile Bewertungen in Billionenhöhe.

Eine hohe Marktkapitalisierung beweist jedoch nicht, dass ein Vermögenswert einen entsprechenden wirtschaftlichen Nutzen besitzt.

Auch historische Spekulationsblasen – von der Tulpenmanie bis zur Dotcom-Blase – erreichten zeitweise enorme Bewertungen. Die Marktkapitalisierung zeigt lediglich, welchen Preis Marktteilnehmer aktuell zu zahlen bereit sind, nicht ob dieser Preis langfristig gerechtfertigt ist. Aus einer rein finanzmathematischen Perspektive ist der Wert sogar Null laut Cheah & Fry (2015). Liu & Tsyvinski (2021) zeigen in einer späteren Studie warum der Bitcoin trotzdem so hohe Renditen aufweist. Aus ihrer Sicht spielt dabei alleine das Netzwerk und damit die Nachfrage eine Rolle für die Bewertung. Ein Netzwerk lässt sich allerdings beeinflussen, insbesondere bei neuen und kleineren Kryptoprojekten ist das deutlich einfacher.

Ein Markt voller Meme-Coins und Rug Pulls

Besonders deutlich werden die strukturellen Probleme des Kryptomarktes bei neuen Projekten.

Da praktisch jeder innerhalb weniger Stunden einen eigenen Token erzeugen kann, entstehen jährlich tausende neue Kryptowährungen. Viele verfügen weder über ein tragfähiges Geschäftsmodell noch über einen erkennbaren Nutzen.

Stattdessen basiert ihre Vermarktung häufig auf:

  • Prominenten,
  • Influencern,
  • Social-Media-Hypes,
  • künstlicher Verknappung,
  • und der Hoffnung auf schnelle Kursgewinne.

Die Folge sind regelmäßig sogenannte Rug Pulls, bei denen Initiatoren oder Insider ihre Bestände verkaufen und die Anleger mit wertlosen Tokens zurücklassen.

Die Fälle Marcus von Anhalt, Trump und Melania

Die Fälle der von Marcus Prinz von Anhalt beworbenen Coins im Jahr 2024 sowie der Trump- und Melania-Coins im Jahr 2025 zeigen exemplarisch, wie stark sich Teile des Kryptomarktes von seinem ursprünglichen Anspruch entfernt haben.

Die Projekte wurden vor allem durch die Bekanntheit ihrer Namen getragen. Ein klarer wirtschaftlicher Nutzen spielte kaum eine Rolle. Entscheidend war vielmehr die Aufmerksamkeit, die neue Käufer anlockte.

Damit ähneln solche Coins weniger einer technologischen Innovation als klassischen Spekulationsblasen, bei denen der Preis primär durch Marketing und Erwartungen bestimmt wird.

Noch bemerkenswerter ist, dass selbst die erfolgreichsten Kryptowährungen heute zunehmend von institutionellen Anlegern und ETF-Anbietern getragen werden.

Bitcoin entstand als Reaktion auf die Finanzkrise 2008 und als Kritik an Banken, Zentralbanken und Finanzeliten. Die Kursrallyes der vergangenen Jahre wurden jedoch maßgeblich durch dieselben Finanzakteure unterstützt, die ursprünglich umgangen werden sollten.

Gleichzeitig basiert ein erheblicher Teil des Kryptohandels heute auf Stablecoins, deren Wert wiederum direkt an staatliche Währungen wie den US-Dollar gekoppelt ist.

Sollte man in Kryptowährungen investieren?

Kryptowährungen sind zweifellos attraktive Spekulationsobjekte, weil sie extreme Kursbewegungen ermöglichen. Ob sie jedoch einen nachhaltigen wirtschaftlichen Nutzen besitzen, ist deutlich umstrittener.

Während Befürworter in Bitcoin digitales Gold sehen, weisen Kritiker darauf hin, dass Bitcoin weder als Zahlungsmittel noch als produktiver Vermögenswert überzeugt und sein Marktwert letztlich vor allem auf Erwartungen zukünftiger Käufer beruht. Mit Blick auf die durchschnittlichen Renditen zeichnet sich ein klarer Trend ab, je etablierter der Bitcoin desto geringer die Renditen. Das hängt natürlich auch mit der bereits hohen Bewertung zusammen. Bei einer Marktkapitalisierung von mehreren Billionen USD machen sie bis zu 1 % des globalen Vermögens aus. Damit ist ein 55-facher Anstieg des Bitcoins wie im Jahr 2013 zumindest äußerst unwahrscheinlich.

Renditen des Bitcoins nehmen kontinuierlich ab

Die zahlreichen Meme-Coins, Rug Pulls und prominenten Krypto-Projekte der vergangenen Jahre verdeutlichen zudem, dass ein erheblicher Teil des Marktes weniger von wirtschaftlichem Nutzen als von Spekulation, Aufmerksamkeit und der Hoffnung auf schnelle Gewinne geprägt ist.

Experten wie Prof. Dr. Andreas Hackethal empfehlen einen Bitcoin-Anteil von 1-5 % am Gesamtportfolio, wenn man tatsächlich plant das sogenannte Weltportfolio nachzubauen.

Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass das Geld bei einem Investment komplett verloren gehen kann, die Chancen sind gerade beim Bitcoin heute wie erläutert begrenzt, die potentiellen Risiken sind aber weiter hoch.

Wie sollte man in Bitcoin investieren?

Wenn man Bitcoin überhaupt als Investment betrachtet, dann sollte man sich zunächst bewusst machen, was man eigentlich kauft. Bitcoin ist eine hochriskante Beimischung und sollte zumindest aus unserer Sicht sicher nicht den Kern des Vermögensaufbaus darstellen. In unserem Gründer-Team sieht es so aus, dass Simon & Felix aktuell keine Kryptowährungen mehr halten. Tim hält seit Jahren eine kleine Bitcoin Position, verändert hier allerdings wenig.

Wer über das technische Know-How verfügt sollte aus unserer Sicht Bitcoin direkt kaufen mit einer eigenen Wallet. Wer langfristig investieren möchte sollte die Bitcoin-Bestände dann in einer Cold-Wallet halten, das schützt vor Hacker-Angriffen. Auf diesem Weg profitiert man vom Ursprungsnutzen des Bitcoins, der Unabhängigkeit von Zentralbanken und damit auch Staaten.

Wer den Bitcoin einfach nur aus Diversifizierungsgründen halten möchte, der könnte das beispielsweise über ETNs oder ETPs machen, allerdings entstehen hier laufende Kosten von bis zu 2 % pro Jahr.

Unterschied von ETFs und ETPs

Eine Alternative sind zahlreiche Krypto-Broker hier werden die echten Bitcoins im Idealfall für einen aufbewahrt und das sicher. Gerade mit Blick auf die Sicherheitskomponente überzeugt uns Bison aktuell am meisten. 

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